Jubiläum
Unverzichtbarer Partner für Gemeinden, Landwirtschaft und Landschaft
(24.03.2026) Krumbach, Lkr. Günzburg – Vor 75 Jahren nahm das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben, damals als Flurbereinigungsamt Krumbach, seine Tätigkeit in Krumbach auf. Als moderne Mittelbehörde präsentiert sich die Behörde im Jubiläumsjahr und gilt als unverzichtbarer Partner für Gemeinden, Landwirtschaft und Landschaft. Amtsleiter Christian Kreye zieht Bilanz und lädt zum „Tag der offenen Tür“ am 19. September 2026 ein.
Ist das 75-jährige Jubiläum ein Grund zum Feiern?
Kreye: Absolut! Wir stecken gerade mitten in den Vorbereitungen. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden wollen wir unsere Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren.
Gibt es schon Termine?
Kreye: Am Freitag, 4. September, zeigt die Sparkasse Schwaben-Bodensee in Krumbach im Rahmen der Krumbacher Festwoche eine Ausstellung unter dem Motto „75 Jahre Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben“. Zwei Wochen später, am Samstag, 19. September, laden wir zum „Tag der offenen Tür“ rund um unser Amtsgebäude ein. Alle Interessierten sollten sich diese Termine vormerken.
Im Jahr 1951 nahm die neue Behörde als Flurbereinigungsamt Krumbach (Schwaben) ihre Arbeit auf, war ab 1969 Flurbereinigungsdirektion Krumbach (Schwaben), ab 1992 Direktion für Ländliche Entwicklung Krumbach (Schwaben) und nennt sich seit 2005 Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben. Bleibt es dabei in naher Zukunft?
Kreye: Ja, wir sind weiterhin Mittelbehörde des Freistaats Bayern. Unser Aufgabenfeld hat sich aber stark erweitert. Früher lag der Fokus auf der Verbesserung der Landwirtschaft, heute beschäftigen wir uns auch mit Artenvielfalt, Wasserrückhalt, Ortskernentwicklung, Grundversorgung, Klimaschutz und erneuerbaren Energien.
Welche Bedeutung haben ländliche Räume heute?
Kreye: Sie sind Zukunftsräume. Mit unseren Programmen, wie dem Bayerischen Dorfentwicklungsprogramm, stärken wir gezielt die Infrastruktur, fördern das Gemeinschaftsleben und schaffen Orte, an denen Familien, Betriebe und Vereine wachsen können.
Was sind die Hauptaufgaben Ihres Amtes?
Kreye: Wir sichern die Daseinsvorsorge, stärken den sozialen Zusammenhalt, treiben Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel voran, fördern regionale Wertschöpfung und bewahren Ressourcen sowie Artenvielfalt.
Welche Instrumente nutzen Sie dafür?
Kreye: Dorferneuerung, Flurneuordnung und die Integrierte Ländliche Entwicklung mit vielen weiteren Initiativen und Förderprogrammen. Aktuell betreuen wir rund 300 Projekte in Schwaben, darunter etwa 142 Dorferneuerungen.
Wo setzen Sie konkret an?
Kreye: Es gibt keine Standardlösung. Wir begleiten Entwicklungsprozesse, die sich an den Zielen und Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientieren. Manche Herausforderungen lösen wir gemeinsam mit mehreren Gemeinden, andere auf Gemeindeebene. Unser Ziel ist ein Dreiklang aus lebenswerten Dörfern, einer starken Land- und Forstwirtschaft und dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen.
Wie unterstützen Sie?
Kreye: Gefördert werden Dorfgemeinschaftshäuser, Begegnungsräume, Projekte zur Belebung von Ortsmitten sowie Kleinstunternehmen wie Bäckereien, Metzgereien oder Dorfläden. Im Fokus steht die Stärkung der Ortskerne, Flächensparen und der Erhalt regionaler Identität.
Wie gehen Sie mit Leerstand in Ortskernen und gleichzeitigem Flächenverbrauch am Ortsrand um?
Kreye: Der Ortskern ist das Herz eines Dorfes. Dort soll gewohnt, gearbeitet und gelebt werden. Mit dem „Vitalitätscheck“ und Innenentwicklungskonzepten erarbeiten wir gemeinsam mit Gemeinden Pläne, um die Ortskerne zu stärken und Leerstand zu reduzieren.
Gibt es Beispiele?
Kreye: In Neuburg an der Kammel wird die Bahnhofstraße neu gestaltet. Erfreulich dabei ist, dass parallel dazu durch Privatinitiative seit Jahrzehnten leerstehende Gebäude saniert oder ersetzt werden. Auch in Breitenthal, Wiesenbach und Stoffenried konnten wir die innerörtliche Entwicklung fördern. Die Gemeinde Rettenbach erhielt über das EU-Förderprogramm ELER Unterstützung für die Neugestaltung der Ortsmitte.
Profitieren auch private Grundstückseigentümer?
Kreye: Ja, im vergangenen Jahr haben wir in Schwaben 41 private Projekte mit knapp 900.000 Euro gefördert – von Gebäudesanierungen bis zur Gestaltung von Außenanlagen.
Was hat sich bei der Flurneuordnung verändert?
Kreye: Heute steht die Balance zwischen besseren Produktionsbedingungen für die Landwirtschaft und den vielfältigen Nutzungen der Landschaft im Vordergrund.
Können Sie das näher erklären?
Kreye: Wir führen zersplitterte landwirtschaftliche Flächen zusammen, bauen ländliche Wege für den sicheren Zugang zu Feldern, fördern Wasserrückhalt und Hochwasserschutz und bewahren die Kulturlandschaft. Ein Beispiel ist die mit dem Staatspreis ausgezeichnete Flurneuordnung in Thierhaupten im Landkreis Augsburg, wo rund ein Achtel der Fläche in Biotope umgewandelt wurde.
Welche Rolle spielt Ihr Amt bei Ortsumfahrungen?
Kreye: Bauherr ist meist der Freistaat, Landkreis oder die Kommune. Wir können solche Projekte wie zum Beispiel zuletzt in Hausen im Landkreis Unterallgäu durch unsere Möglichkeiten der Bodenordnung begleiten, um die landwirtschaftlichen Flächen für die Landwirte bestmöglich zu ordnen und gleichzeitig Maßnahmen für Natur und Landschaft umzusetzen.
Was steckt hinter den Initiativen „boden:ständig“, „FlurNatur“ und „Streuobst für alle“?
Kreye: „boden:ständig“ fördert Maßnahmen zum Bodenschutz, Wasserrückhalt und Gewässerschutz – wichtig angesichts der zunehmenden Starkregenereignisse.
„FlurNatur“ unterstützt das Anlegen von Hecken, Feldgehölzen, Streuobstwiesen und Biotopen auch außerhalb von Flurneuordnungen.
„Streuobst für alle“ fördert die Pflanzung von Obstbäumen – 2025 wurden 2.653 Bäume an 59 Antragsteller ausgegeben.
Welche Chancen bietet interkommunale Zusammenarbeit?
Kreye: Wir begleiten 13 Gemeindeallianzen mit 67 Gemeinden und unterstützen fachlich, personell und finanziell. Viele Projekte – vom Hochwasserschutz bis zum gemeinsamen Bauhof – sind nur durch Zusammenarbeit möglich. Besonders spannend sind die Schwammregionen Holzwinkel-Altenmünster und Gennach-Hühnerbach-Singold, die den ländlichen Raum wasserfest machen wollen.
Wie hat sich die Personalstärke entwickelt?
Kreye: 1993 hatten wir über 250 Mitarbeitende, 2010 noch 173. Seit 2012 sind es konstant rund 150, mit einer guten Mischung aus erfahrenen und jungen Kräften. Seit 2015 bieten wir ein Duales Studium und bilden Techniker für Ländliche Entwicklung aus. Unsere Teams aus Vermessung, Architektur, Bau, Regional- und Landschaftsplanung, Recht und Verwaltung sichern die Qualität unserer Arbeit. Wir freuen uns über jeden, der sich für den ländlichen Raum engagieren möchte.