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Eigenverantwortlich und engagiert entwickelte Dorferneuerungsmaßnahmen

Ortsbildprägende Bausubstanz zu erhalten und mit Leben zu erfüllen – ein wichtiger Grundstein zur Innenentwicklung


Ortsmitte mit Kirche in Roßhaupten, das in einer Senke liegt. Im Hintergrund bewaldeter Hügel mit Lichtungen.

Die Dorferneuerung Roßhaupten im Lkr. Ostallgäu wurde mit dem Staatspreis 2005/2006 in der Kategorie "Gemeinschaftliche und öffentliche Leistungen" ausgezeichnet. Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat zu diesem Anlass das Projekt mit folgendem Inhalt gewürdigt:

Roßhaupten am Auerberg liegt in einer einmaligen Kulturlandschaft in unmittelbarer Nähe zu den Allgäuer Alpen, zum Forggensee und zu den Königsschlössern. Heute zählt Roßhaupten zu den meistbesuchten Urlaubsgebieten im Allgäu; nicht zuletzt auch auf Grund der besonders lebendigen Dorfkultur und familienfreundlichen Gastlichkeit. Durch die Dorferneuerung konnten wesentliche Verbesserungen für die Landwirtschaft, den Fremdenverkehr, den Umweltschutz, das Gewerbe und die Dienstleistung erzielt werden. Es gelang in vorbildlicher Weise, die Bürgerinnen und Bürger zur Eigeninitiative anzuregen, die seitdem aktiv die Entwicklung ihrer Gemeinde betreiben.

Eine Stärke des Dorfes ist das historische Ortsbild. Durch den wachsenden Fremdenverkehr und den Rückgang in der Landwirtschaft bestanden Bestrebungen, traditionelle, landwirtschaftliche Bausubstanz durch Neubauten mit mehreren Wohneinheiten zu ersetzen. Die Umkehr dieser Tendenz hin zur Erhaltung der historischen und teilweise leerstehenden Gebäude entwickelte sich aus der Dorferneuerung und war prägendes Thema dieses Projektes.

Giebelständiges Pfannerhaus an der Straße mit Dach- und zwei Vollgeschossen sowie Sprossenfenstern und Fensterläden.
Sanierter ehemaliger Pfarrhof mit mächtigem Baukörper und Walmdach am Dorfplatz. Im Vordergrund viereckiger Brunnen, der einst Viehtränke war.
Aktiver Arbeitskreis tagt mit sieben engagierten ehrenamtlichen Roßhauptenern in der alten Schule.

Das Pfannerhaus: Die Gemeinde konnte das an zentraler Stelle leerstehende landwirtschaftliche Gebäude erwerben, bewahrte es dadurch vor dem Abbruch und setzte es wieder instand. Den Bedürfnissen der Dorfgemeinschaft – Musikverein, Ausstellungen – entsprechend wurden ein Dorfmuseum und Räume eingerichtet. Zudem befinden sich in dem Gebäude noch das Feuerwehrhaus und ein Friseurgeschäft.

Dorfplatz: Bei der Gestaltung dieser zentralen Maßnahme wurde besonders auf eine multifunktionale Nutzung Wert gelegt. Obwohl der Dorfplatz grundsätzlich als Straßenraum und Parkplatz sowie der Erschließung anliegender landwirtschaftlicher Betriebe dient, wird er das Jahr über auch gerne als Versammlungs- und als Festplatz genutzt. Hier steht auch ein Denkmal zur Erinnerung an den kurfürstlichen Hofbildhauer Roman Boos aus Roßhaupten.

Pfarrhof: Über das Für und Wider zum Abbruch des ehemaligen Pfarrhofes am Dorfplatz wurde viel diskutiert. Heute ist man glücklich, den aufwändigeren Weg einer Renovierung begangen zu haben. Nun strahlt das 1728 errichte Baudenkmal in neuem Glanz und ist Schmuckstück des Dorfplatzes. Es wird als Pfarrheim genutzt und bietet Räumlichkeiten für die Jugend und für dörfliche Veranstaltungen. Zudem befindet sich darin die Gemeindebücherei. Teile dieses stattlichen Gebäudes werden privat und gewerblich genutzt.

Alte Schule: Sie ist die geistige Wiege des Leitbildes von Roßhaupten und der Ideen zur Entwicklung des Dorfes. Sie ist in der Dorferneuerung »Denkwerkstätte« für die engagierten Arbeitskreise und Projektgruppen der »Dorfwerkstatt«. Nun wartet die alte Schule auf die Renovierung, um sich am Dorfplatz den Bürgern und Gästen bald ebenso schön wie der Pfarrhof präsentieren zu können.

Friedhofserweiterung: Bei der Frage nach einem zweiten Friedhof am Rande der Ortschaft oder der Erweiterung des bestehenden Friedhofes neben der Kirche entschieden sich die Bürger trotz erheblicher Mehrkosten für die Erweiterung im Dorfzentrum. Der erforderliche Grund und Boden konnte durch das Bodenmanagement der Ländlichen Entwicklung und die Aussiedlung eines landwirtschaftlichen Betriebes bereitgestellt werden. Die parkähnliche Begrünung wurde so gewählt, dass Friedhof und Ortsmitte eine Einheit bilden.

Straßenräume: Unter sehr intensiver Beteiligung der Anlieger wurden die Straßen in den Randbereichen entsiegelt. Jetzt sind dort privat genutzte und gepflegte Vorgärten mit traditionellen Eisenzäunen entstanden. An verschiedenen Stellen wurden Werke von ortsansässigen Künstlernaufgestellt, die wie der Schäfflerbrunnen in Bezug zur örtlichen Geschichte stehen.


Dorferneuerung Roßhaupten, Lkr. Ostallgäu


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